Projektpartner und Projektteam

Das PhraseoLab-Team besteht aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der vier beteiligten Projektpartner. Diese sind: die Universität Murcia (Spanien), die Nationale Kapodistrias-Universität Athen (Griechenland), die Universität Stettin (Polen) und die Aarhus Universität (Dänemark).

Projektidee, Ziele und Inhalt

Das Projekt PhraseoLab basiert auf der Idee, das Lernen von festen Wendungen – der Phraseologie – in der Fremdsprache Deutsch durch das Einbeziehen von ähnlichen Wendungen aus dem Englischen leichter zu machen.

Diese Idee entstand aus mehreren Lehrinnovationsprojekten, die von der Universität Murcia koordiniert wurden und sich mit der Vermittlung von Phraseologie durch digitale Werkzeuge befassen. Das von der Europäischen Union kofinanzierte Projekt PhraseoLab trägt dem aktuellen Bedarf an Lernmaterialien zur systematischen Förderung der phraseologischen Kompetenz im Unterricht für Deutsch als Fremdsprache (DaF) Rechnung.

Das Hauptziel von PhraseoLab ist es, bessere Möglichkeiten für das Lernen fester Wendungen (Phraseologie) zu schaffen. Dieses Ziel verwirklicht das Projekt durch die Entwicklung einer digitalen Lernressource in Form einer Lernplattform. Sie umfasst eine mehrsprachige Datenbank, interaktive Übungen (geschlossene Übungen mit interaktivem Feedback) sowie offene Lernaktivitäten (kommunikative Aufgaben) für die Niveaustufen A2 und B1. Dafür nutzen wir verschiedene Modalitäten und Medienformate – Text, Audio, Video und Illustrationen.

Die Lernplattform ist online frei zugänglich, sodass Mitglieder aller Zielgruppen im Rahmen einer nachhaltigen internationalen Lehr-Lern-Umgebung damit arbeiten können. Sie eignet sich sowohl für die formale Bildung in Schulen und Universitäten als auch für die nicht-formale Bildung (Selbststudium). Die interaktiven Übungen und Lernaktivitäten ermöglichen die gezielte Förderung der phraseologischen Kompetenz von Lernenden des Deutschen als Fremdsprache (L3), die bereits über Englischkenntnisse (L2) verfügen (plurilingualer Ansatz).

Aktivitäten und Ergebnisse

Wir sammeln Informationen über unsere aktuellen Aktivitäten im Projekt, wie Vorträge und Publikationen, und stellen auch die Ergebnisse zur Verfügung.

An wen richtet sich PhraseoLab?

Für wen erstellen wir die interaktiven Übungen und Lernaktivitäten?

Unsere wichtigsten Zielgruppen sind:

  • Jugendliche Deutschlernende mit Vorkenntnissen im Englischen
  • Lehrkräfte für Deutsch als Fremdsprache an Schulen der Sekundarstufe, Sprachinstituten und Universitäten
  • Studierende philologischer, translatorischer oder anderer Studiengänge im Bereich DaF oder moderner Fremdsprachen
  • Erwachsene Lernende, die im Rahmen des lebenslangen Lernens ihre Sprachkenntnisse erweitern möchten
  • Lernende ohne Zugang zur formalen Bildung, die ihre phraseologische Kompetenz im Selbststudium entwickeln möchten
  • Autorinnen und Autoren von Lehr-Lern-Materialien
  • Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Interesse an Phraseologie und digitalen didaktischen Ressourcen
  • Alle, die einfach Freude an Phraseologie haben

Was sind die festen Wendungen?

Feste Wendungen (Phraseme) sind lexikalisierte Wortschatzeinheiten, die aus zwei oder mehreren Wörtern (Komponenten) bestehen. Die Kombination der Wörter bildet eine semantisch und/oder pragmatisch sinnvolle Einheit. Viele feste Wendungen haben Eigenschaften, die sich nicht aus grammatischen Regeln ableiten lassen. Um sie angemessen zu verwenden, braucht man daher mehr als die Kenntnis der Grammatik und der Bedeutung ihrer einzelnen Komponenten.

In der Forschung hat sich der Bereich der Phraseologie in letzter Zeit stark erweitert. Heute umfasst die Phraseologieforschung sowohl die völlig konventionalisierten Mehrworteinheiten, als auch ein breiteres Spektrum von lexikalischen Einheiten, die eine gewisse Variabilität aufweisen (zu einer digitalen Lernressource zur Theorie der Phraseologie für fortgeschrittene Lernende siehe „Germanistik Digital – Germanon“. In PhraseoLab werden drei Typen fester Wendungen didaktisch aufbereitet:

  • Kollokationen – feste Wendungen, die durch häufiges gemeinsames Auftreten von Wörtern zustande kommen und bevorzugte Ausdrucksweisen für bestimmte Bedeutungen darstellen, z. B. Geld überweisen, um einen Gefallen bitten, to give an answer, to be of the opinion that.
  • Idiome – feste Wendungen, deren Bedeutung sich nicht aus der Summe der einzelnen Komponenten ergibt, z. B. etw. spricht Bände, grünes Licht geben, hand in hand, to be the black sheep.
  • Expressive Routineformeln – feste Wendungen, die nur in bestimmten kommunikativen Situationen verwendet werden und illokutionäre Sprechakte vermitteln, die Emotionen und Einstellungen der Sprechenden signalisieren, z. B. Abwarten und Tee trinken, Hut ab, You don’t believe that yourself, That’s too good to be true.

Warum sind die festen Wendungen für das Fremdsprachenlernen wichtig?

Neuere Forschungsarbeiten in der Linguistik werfen ein neues Licht auf das Wesen der Sprache und betonen die zentrale Rolle des phraseologischen Wissens bei der Entwicklung einer kompetenten Sprachverwendung. Empirische Untersuchungen an großen Textkorpora zeigen eindeutig, dass Sprache zu einem weit größeren Grad als früher angenommen, etwa die Hälfte der sprachlichen Einheiten in Texten, aus vorgefertigten Einheiten – Phrasemen – besteht. Das Wissen über diese Einheiten ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Sprachkompetenz in allen Sprachen. Obwohl die phraseologische Kompetenz in der Fremdsprachenforschung immer wichtiger wird, sind die Fortschritte bei der Entwicklung digitaler didaktischer Materialien für diesen Zweck nicht befriedigend. Das Projekt PhraseoLab trägt dazu bei, dem Bedarf an modernen Lehr-Lernmaterialien gerecht zu werden.

Was ist der plurilinguale Ansatz?

PhraseoLab basiert auf dem plurilingualen Ansatz für das Lehren und Lernen von Sprachen und folgt damit den aktuellen Tendenzen der europäischen Sprachbildungspolitik. Dieser Ansatz fördert die sprachliche Vielfalt als Bereicherung für die Fremdsprachenpädagogik.

Das Erlernen einer neuen Sprache erfolgt stets vor dem Hintergrund bereits erworbener oder erlernter Sprachen, mit denen neues Wissen verglichen wird und dabei neue Wissensstrukturen entstehen. Die Vernetzung der erlernten Sprachen kann dabei als Sprungbrett für den Erwerb weiterer Fremdsprachen genutzt werden.

In PhraseoLab wenden wir den plurilingualen Ansatz auf das Erlernen der deutschen Phraseologie durch das Englische an. Dadurch möchten wir die phraseologischen Vorkenntnisse der Lernenden im Englischen, das heutzutage mehrheitlich als erste Fremdsprache (L2) fungiert, gezielt für das Erlernen fester Wendungen im Deutschen als zweite Fremdsprache (L3) nutzen.

Wie fördert PhraseoLab das interkulturelle Lernen?

Die Übungen und Lernaktivitäten in PhraseoLab folgen einem roten Faden, also einer Geschichte, die sich an aktuellen Themen orientiert, und deren Hauptpersonen aus verschiedenen europäischen Ländern (Dänemark, Griechenland, Polen, Spanien) stammen. Anhand der Abenteuer dieser Personen in Berlin werden die Lernenden nicht nur mit festen Wendungen vertraut gemacht, sondern sie beschäftigen sich gleichzeitig mit der Kultur Deutschlands und anderen Länder, um interkulturelles Verständnis und interkulturelle Kompetenz aufzubauen.